1 Unternehmensführung
Um ESG-Prinzipien in unserer gesamten Organisation effektiv zu verankern, haben wir klare Rollen und Verantwortlichkeiten festgelegt, sodass die Ausrichtung, Verantwortlichkeit und aktive Beteiligung an unseren Nachhaltigkeitszielen sichergestellt sind.
1.1 Rolle des Verwaltungsrats
Der Verwaltungsrat trägt die oberste Verantwortung für die ESG-Strategie und -Berichterstattung von Dätwyler, beaufsichtigt die Konzernleitung und überwacht die Fortschritte bei der Erreichung der Ziele, einschliesslich der an die Klimaziele gebundenen Mitarbeitendenanreize. Der Nachhaltigkeitsbericht, der auch die Klimaziele von Dätwyler enthält, wird vom Verwaltungsrat jährlich geprüft und genehmigt. Klimarelevante Themen werden bei Bedarf an jeder Verwaltungsratssitzung diskutiert.
1.2 Rolle der Konzernleitung
Während der Verwaltungsrat die Nachhaltigkeitsstrategie überwacht, sorgt die Konzernleitung für die Umsetzung, insbesondere im Hinblick auf Klimathemen. Der CEO beaufsichtigt die Risikobewertungen und verwaltet die Budgets für Klimainitiativen. Der CEO arbeitet eng mit der Chief Sustainability Officer (CSO) zusammen, die die Umsetzung der Nachhaltigkeitsaktivitäten sicherstellt, einschliesslich der Entwicklung des Klimaschutzplans und der Integration von klimabezogenen Überlegungen in die Unternehmensstrategie. Die CSO arbeitet auch eng mit dem globalen Nachhaltigkeitsteam von Dätwyler zusammen, das die Nachhaltigkeitsbemühungen an allen Standorten überwacht. Das Nachhaltigkeitsteam, das von EHS-Beauftragten an den Standorten unterstützt wird, ist für die Bewertung von Klimarisiken und -chancen, die Überwachung des Fortschritts bei den Klimazielen und das Management des klimabezogenen Engagements in der Wertschöpfungskette verantwortlich.
Ausführlichere Informationen über die Unternehmensintegration sind im Nachhaltigkeitsbericht zu finden.
Um den Fokus auf Nachhaltigkeit zu verstärken, hat der Verwaltungsrat Nachhaltigkeitskennzahlen in das variable Vergütungsmodell des Unternehmens integriert. Seit 2022 machen diese Kennzahlen 20% der variablen Vergütung der Konzernleitung und berechtigter Mitarbeitender aus. Es werden drei Nachhaltigkeitsindikatoren verwendet, wobei die Reduzierung der Treibhausgase (THG) mit 50% gewichtet wird. Dies schafft Anreize für die Mitarbeitenden, einen Beitrag zum Ziel von Dätwyler zu leisten, bis 2030 Klimaneutralität für den eigenen Betrieb zu erreichen.
2 Strategie
2.1 Identifizierte klimabezogene physische und Übergangsrisiken und -chancen
Klimabezogene Risiken werden in physische und Übergangsrisiken unterteilt. Physische Risiken entstehen durch direkte Klimaereignisse, die sich auf den Betrieb auswirken, während Übergangsrisiken durch die Dekarbonisierung der Wirtschaft sowie die daraus resultierenden rechtlichen, sozialen, wirtschaftlichen oder technologischen Rahmenbedingungen entstehen. Dätwyler bewertete Risiken und Chancen in beiden Kategorien und kategorisierte sie in kurzfristige (1–3 Jahre), mittelfristige (3–10 Jahre) oder langfristige Risiken (10–30 Jahre).
Physische Risiken wurden mithilfe von datenbasierten Instrumenten wie der WWF-Risikofilter-Suite oder Thinkhazard, lokalen und regionalen Risikokarten und Interviews mit dem zuständigen Personal vor Ort bewertet. Übergangsrisiken und -chancen wurden durch interne Stakeholder-Inputs, Marktanalysen, Benchmarks und Literaturrecherchen identifiziert.
2.2 Physische Risiken
Die für Dätwyler relevanten physischen Risiken werden in Paaren von chronischen und akuten Risiken zusammengefasst, da sie sich im Verbund charakterisieren und beschreiben lassen. Die identifizierten Risiken werden auf aggregierter Ebene dargestellt, wobei die Bewertungen einzelner Standorte heterogen sind. Zudem erkennt Dätwyler die Wechselwirkungen bestimmter Risiken, wie Wasserknappheit und heisse Temperaturen, sowie damit verbundene Risiken, die nicht explizit angesprochen werden, wie Waldbrände als extreme Folge von Wasserknappheit. Diese und weitere physische Risiken sind Teil der regelmässigen Geschäftskontinuitäts- und Risikobewertung von Dätwyler.
Wechselnde Temperatur (chronisch) und Hitze (akut)
Charakterisierung
kurz-, mittel- und langfristig
sehr wahrscheinlich
geringe bis mittlere Auswirkungen
vorgelagert und eigener Betrieb
Beschreibung und Auswirkungen
Höhere Temperaturen stellen ein Risiko für alle Business Units dar, da sie die Gesundheit der Mitarbeitenden beeinträchtigen, den Energiebedarf für Kühlsysteme erhöhen und Produktionsunterbrechungen verursachen können. Die Verbesserung der Energieeffizienz ist unerlässlich, um steigende Betriebskosten auszugleichen und sichere Arbeitsbedingungen aufrechtzuerhalten.
Ansatz
Dätwyler reagiert auf steigende Temperaturen durch die Modernisierung von Kühlsystemen, verbesserte Belüftung und durch die Einführung von hitzebedingten Sicherheitsmassnahmen für die Mitarbeitenden, wie zum Beispiel längeren Pausen in Hitzeperioden. Gleichzeitig investiert Dätwyler in die Steigerung der Energieeffizienz, um Produktionsunterbrüche zu minimieren und den erhöhten Energieverbrauch zu bewältigen.
Wasserknappheit (chronisch) und Dürre (akut)
Charakterisierung
kurz-, mittel- und langfristig
wahrscheinlich
mittlere Auswirkungen
vorgelagert und eigener Betrieb
Beschreibung und Auswirkungen
Regionale Wasserknappheit und gelegentliche Dürreperioden stellen ein klimabedingtes Risiko für die Standorte dar, insbesondere für die Healthcare Produktionsstandorte, wo die indirekten Kosten steigen können. Wasserintensive Prozesse in der vorgelagerten Wertschöpfungskette sind ebenfalls gefährdet, wobei einige Werke bereits mit Problemen der Wasserverfügbarkeit konfrontiert sind.
Ansatz
Zur Minderung dieses Risikos implementiert Dätwyler wassereffiziente Prozesse, Recyclingsysteme und prüft alternative Quellen, wie z.B. die Bodengewinnung. Wasserrisikobewertungen sind eine zentrale Strategie, auch wenn dieses Thema noch nicht an allen Standorten verbreitet ist.
Extremwetter (chronisch) und damit verbundene (akute) Überschwemmungen, tropische Wirbelstürme usw.
Charakterisierung
kurz-, mittel- und langfristig
wahrscheinlich
mittlere Auswirkungen
vorgelagert und eigener Betrieb
Beschreibung und Auswirkungen
Immer häufiger auftretende extreme Wetterereignisse, wie starker Wind oder heftige Regenfälle, stellen ein wachsendes Risiko für die Wertschöpfungskette dar. Überschwemmungsrisiken nehmen zu und gefährden die menschliche Sicherheit, unterbrechen Lieferketten und bedrohen Eigentum, was zu wirtschaftlichen Verlusten führt. Weit verbreitete Stürme und Küstenüberschwemmungen in Verbindung mit tropischen Wirbelstürmen bedrohen Infrastruktur, Logistik und ganze Gemeinschaften durch direkte physische Schäden oder nachteilige Auswirkungen auf z.B. die Wasser- und Energieversorgung.
Ansatz
Dätwyler stärkt Anlagen in Hochrisikogebieten und diversifiziert Lieferketten, um sich an Extremereignisse anzupassen. Zu den Schlüsselstrategien gehören Risikomanagement in der Lieferkette durch Dual Sourcing, regionale Notfallplanung und der Aufbau von standortspezifischem Fachwissen, um die Kontinuität zu gewährleisten und die finanziellen Auswirkungen zu minimieren.
2.3 Übergangsrisiken und -chancen
Wie die physischen Risiken werden auch die Übergangsrisiken und -chancen auf einer aggregierten Ebene dargestellt, wobei Abweichungen zwischen Regionen, Märkten usw. auftreten können.
Risiken
Reputationsschäden
Charakterisierung
mittel- und langfristig
unwahrscheinlich
mittlere bis hohe Auswirkungen
eigener Betrieb
Beschreibung und Auswirkungen
Die Abhängigkeit von Rohstoffen, die aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden, birgt Reputationsrisiken, da Stakeholder zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit und Emissionsreduzierung legen, insbesondere Kunden mit ehrgeizigen Klimazielen. Zwischenfälle, wie z.B. Öllecks, könnten die Umweltwahrnehmung weiter beeinträchtigen, obwohl diese Herausforderung branchenweit ist und alle Marktteilnehmenden in gleicher Weise betrifft.
Ansatz
Dätwyler treibt Projekte zur Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen in der Elastomerherstellung voran und prüft den Einsatz von rezyklierten Materialien, wobei der Schwerpunkt auf der Wiederverwendung von Produktionsabfällen zu neuen Komponenten liegt. Die globale Ausrichtung der Nachhaltigkeitsziele hat Priorität, um Konsistenz zu gewährleisten, die Widerstandsfähigkeit von Dätwyler zu stärken und den Ruf des Unternehmens in Sachen nachhaltiger Innovation zu festigen.
Starke regulatorische Beschränkungen
Charakterisierung
mittel- und langfristig
wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich
mittlere Auswirkungen
vorgelagert und eigener Betrieb
Beschreibung und Auswirkungen
Klimaregulierungen, welche die Treibhausgasemissionen der Dätwyler Produktionsanlagen belasten, könnten die Betriebskosten erhöhen. Auch mögliche Materialverbote stellen ein Risiko dar und veranlassen Dätwyler, proaktiv nach Alternativen zu suchen.
Ansatz
Dätwyler reduziert die Treibhausgasemissionen, um die Abhängigkeit von Kohlenstoffzertifikaten zu verringern, und orientiert sich dabei eng an ihren ehrgeizigen Zielen für erneuerbare Elektrizität. Darüber hinaus beobachtet das Unternehmen kontinuierlich regulatorische Trends, um darauf vorbereitet zu sein, und befasst sich proaktiv mit potenziellen Einschränkungen für Materialien.
Erhöhte Rohstoffkosten und veränderte Marktnachfrage
Charakterisierung
kurz- und mittelfristig
sehr wahrscheinlich
starke Auswirkungen
vor- und nachgelagert
Beschreibung und Auswirkungen
Dätwyler ist auf spezialisierte Rohstoffe angewiesen, und veränderte Marktpräferenzen, Vorschriften oder Unterbrechungen der Lieferkette könnten die Materialkosten erhöhen und ein finanzielles Risiko darstellen. Die Verfügbarkeit kann auch durch geopolitische Faktoren beeinträchtigt werden, was zu Engpässen bei wichtigen Rohstoffen wie synthetischem Kautschuk führen kann.
Ansatz
Dätwyler überprüft regelmässig ihre Lieferkette und Rohstoffe sowie die Marktnachfrage und Kundenpräferenzen und sucht aktiv nach Alternativen, um die Widerstandsfähigkeit zu gewährleisten. Während beispielsweise Dual Sourcing oder Marktanalysen Priorität haben, um Risiken zu mindern, konzentriert sich Dätwyler auch auf die Verbesserung der Materialeffizienz und die Reduzierung von Abfall.
Risiko der Veralterung der Technologie
Charakterisierung
mittel- und langfristig
unwahrscheinlich bis wahrscheinlich
geringe Auswirkungen
eigener Betrieb und nachgelagert
Beschreibung und Auswirkungen
Die Verlagerung hin zu emissionsärmeren Alternativen kann die Nachfrage nach bestimmten Produkten verringern, was sich auf den Umsatz von Dätwyler auswirken und Investitionen erfordern könnte. Da die Industrie der Nachhaltigkeit immer mehr Priorität einräumt, ist zu erwarten, dass neue Anwendungen entstehen, die Lösungen mit minimalem fossilen Kohlenstoffgehalt begünstigen.
Ansatz
Dätwyler engagiert sich für die kontinuierliche Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen, indem sie schrittweise neue Angebote einführt und ältere auslaufen lässt, um den Übergang der Kunden zur Nachhaltigkeit zu unterstützen. So entwickelt Dätwyler zum Beispiel neue nachhaltige Produkte. Das sorgfältige Timing der Produkteinführungen ist entscheidend, da die Substitution alter Produkte nicht automatisch eine bessere Eignung für sich verändernde Bedürfnisse garantiert.
Chancen
Stärkung eines guten Rufs
Charakterisierung
mittelfristig
wahrscheinlich
mittlere Auswirkungen
eigener Betrieb und nachgelagert
Beschreibung und Auswirkungen
Das Engagement von Dätwyler für nachhaltige Betriebsabläufe und Praktiken in der Wertschöpfungskette dürfte Kunden anziehen, die der Nachhaltigkeit in ihren Lieferketten Priorität einräumen. Während Nachhaltigkeit die Beschaffungsentscheidungen beeinflusst, muss Dätwyler ihr Engagement abwägen, um Kostensteigerungen oder den Verlust des Wettbewerbsvorteils zu vermeiden. Die Bedeutung der Nachhaltigkeit für den Ruf ist weltweit unterschiedlich, aber die Beibehaltung guter Praktiken kann dazu beitragen, das Geschäft in der Zukunft zu sichern.
Ansatz
Durch proaktives Engagement in Sachen Nachhaltigkeit, transparente Offenlegung und hohe Bewertungen stärkt Dätwyler ihre Position und differenziert sich im Markt. Durch die Anpassung der Angebote und des Timings an die Vorschriften der einzelnen Märkte kann Nachhaltigkeit als Alleinstellungsmerkmal dienen.
Einführung erneuerbarer Energien
Charakterisierung
kurz- bis mittelfristig
sehr wahrscheinlich
mittlere bis starke Auswirkungen
eigener Betrieb
Beschreibung und Auswirkungen
Die Umstellung auf erneuerbare Energien könnte Dätwyler einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und die steigenden Kosten für fossile Brennstoffe strategisch abfedern. Dies muss jedoch mit der Durchführbarkeit einer strikten Umstellung oder der erforderlichen Energiespeicherkapazität abgewogen werden, da die finanziellen Auswirkungen beträchtlich sein können; der Kauf von erneuerbarer Elektrizität auf dem Markt setzt das Unternehmen immer noch gewissen Preisschwankungen aus.
Ansatz
Dätwyler hat einen klaren Umstellungsplan, der sowohl den ökonomischen als auch den ökologischen Anforderungen gerecht wird, und ist auf gutem Weg zu 100% erneuerbarer Elektrizität im Jahr 2030. Die Energiewende ist ein zentraler Bestandteil der Resilienzstrategie von Dätwyler, zu der auch der Ausbau von Energiepartnerschaften gehört.
Diversifizierung der Geschäftsaktivitäten
Charakterisierung
mittel- bis langfristig
sehr wahrscheinlich
hohe Auswirkung
eigener Betrieb und nachgelagert
Beschreibung und Auswirkungen
Regulierungen aufgrund internationaler Abkommen, wie des Pariser Abkommens, oder disruptive Entwicklungen, wie neue Technologien, fördern sich verändernde und sich entwickelnde Märkte. Diese unterliegen regionalen Unterschieden, bieten aber potenziell wachsende Einnahmen und Marktanteile.
Ansatz
Dätwyler identifiziert verwandte Marktchancen und erschliesst neue Marktlücken. Dätwyler legt Wert auf die Diversifizierung der Geschäftsaktivitäten, Agilität und wendet einen massgeschneiderten Ansatz an, um das adressierbare Marktpotenzial zu erweitern.
Entwicklung von neuen Produkten
Charakterisierung
kurz- bis mittelfristig
wahrscheinlich
mittlere bis starke Auswirkungen
eigener Betrieb und nachgelagert
Beschreibung und Auswirkungen
Die Diversifizierung der Geschäftsaktivitäten geht Hand in Hand mit der Entwicklung neuer innovativer Produkte, die den Bedarf an fossilen Brennstoffen im Herstellungsprozess von Elastomeren verringern könnten. Da die Schaffung gänzlich neuer Märkte unwahrscheinlich ist, ist es eher möglich, neue Produkte oder Dienstleistungen innerhalb bestehender Märkte zu entwickeln.
Ansatz
Dätwyler erforscht aktiv neue und alternative Rohstoffe und entwickelt fossilfreie Materialien. Ökodesign-Checklisten werden in den Produktentwicklungsprozess integriert, wobei globale Lösungen angestrebt werden, die die Nachhaltigkeit fördern, wie z.B. die Beschaffung von nachhaltigen Alternativen für bestehende Materialien.
Ressourceneffizienz
Charakterisierung
mittelfristig
wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich
geringe bis mittlere Auswirkungen
eigener Betrieb
Beschreibung und Auswirkungen
Die Einführung effizienterer Produktions- und Vertriebsprozesse steigert die betriebliche Effizienz. Allerdings können erhebliche Investitionen – wie z.B. der Austausch von alten Anlagen – erforderlich sein. Während dies kurzfristig die Kosten erhöht, sind diese Effizienzverbesserungen wesentlich für den Aufbau von Resilienz hinsichtlich der Ressourcenabhängigkeit.
Ansatz
Die Verbesserung der Kennzahlen zur Energie-, Rohstoff- und Wasserintensität in der gesamten Produktwertschöpfungskette ist neben der Abfallreduktion entscheidend für die Nachhaltigkeitsziele von Dätwyler. Zu den wichtigsten Massnahmen gehören Investitionen in energie- und ressourcensparende Technologien und verstärkte Recyclingbemühungen. Datenverfolgung und -analyse spielen eine wichtige Rolle, ebenso wie regelmässige Energie-Audits, um weitere Effizienzverbesserungen zu identifizieren.
2.4 Auswirkungen von klimabezogenen Risiken und Chancen auf die Geschäftstätigkeit, Finanzplanung und Strategie
Klimabezogene Risiken und Chancen (Englisch: climate-related risks and opportunities, kurz CRROs) haben direkte und wachsende finanzielle Auswirkungen und werden strategisch integriert: Die Festlegung von Kohlenstoffpreise durch regulatorische und marktbasierte Systeme bietet Anreize, unsere Energieversorgung weiter zu dekarbonisieren und die Entwicklung und Nutzung fossilfreier Alternativen für Rohstoffe zu intensivieren. So beziehen bereits zwanzig Produktionsstandorte erneuerbare Elektrizität, und acht nutzen vor Ort erzeugten Solarstrom. Zudem werden den lokalen Beschaffungsteams von Dätwyler weltweit standardisierte Richtlinien und Lieferantenmanagementprozesse zur Verfügung gestellt, die auf unsere ESG-Strategie abgestimmt sind. Dazu gehört auch, dass wir unsere Lieferanten ermutigen, nachhaltigere Materialien vorzuschlagen, um bestehende Produkte vollständig zu ersetzen oder in Neuentwicklungen zu verwenden.
Mehrere Risiken und Chancen beziehen sich auf spezifische Märkte, die Dätwyler bedient. So untermauert beispielsweise die Elektromobilität als allgemeiner Trend unser Engagement für das globale Ziel der Reduzierung von Treibhausgasemissionen, und wir liefern eine breite Palette von aktualisierten und neuartigen technologischen Konzepten und Teilen. Je nach sozioökonomischem Kontext und der Fähigkeit von Dätwyler, diese zu nutzen, können sich Risiken auch in Chancen verwandeln.
2.5 Szenario-Analyse
Im Rahmen unserer strategischen Überlegungen haben wir eine Klimaszenario-Analyse durchgeführt und dabei drei offizielle IPCC-Szenarien verwendet, d. h. Kombinationen aus gemeinsamen sozioökonomischen Pfaden (SSP) und repräsentativen Konzentrationspfaden (RCP). Es wurden die folgenden Szenarien betrachtet: ein nachhaltiger „grüner Weg“, ein „mittlerer Weg“ und ein von fossilen Brennstoffen dominierter „steiniger Weg“.
SPP- und RCP-Szenarien
SSP1 2.6
„Nachhaltigkeit – Den grünen Weg gehen“
Beschreibung
Die Welt bewegt sich allmählich, aber stetig auf einen nachhaltigeren Weg zu.
Globale Zusammenarbeit und Koordination fördern die Anpassung und Abschwächung.
Die ökologischen Grenzen werden respektiert.
Die Ungleichheit zwischen und innerhalb von Ländern wird aufgrund des zunehmenden Engagements für die Erreichung der SDGs verringert.
Der Konsum wird auf einen niedrigen Materialverbrauch und eine geringere Ressourcen- und Energieintensität ausgerichtet.
Die anthropogenen Treibhausgasemissionen werden bis 2030 drastisch reduziert, mit dem Ziel, die globale Erwärmung bis 2100 deutlich unter 2° C, idealerweise um 1.5° C, zu halten.
Auswirkungen
Schwerpunkt Nachhaltigkeit
Steigende Nachfrage nach umweltfreundlichen und nachhaltigen Produkten. Um den erwarteten Marktanforderungen gerecht zu werden, passt Dätwyler ihre Produkte und Dienstleistungen laufend an und legt dabei den Fokus auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft.Einhaltung gesetzlicher Vorschriften
Strengere Umweltvorschriften erfordern Investitionen in grüne Technologien und nachhaltige Praktiken, bieten aber auch Chancen für Innovationen und eine führende Rolle bei umweltfreundlichen Produkten.Marktwachstum
Positives Wachstum auf den globalen Märkten aufgrund geringerer Ungleichheiten und verstärkter Investitionen in nachhaltige Infrastruktur.Energieeffizienz
Geringere Ressourcen- und Energieintensität, was zu niedrigeren Betriebskosten führt.Globale Zusammenarbeit
Eine stärkere internationale Zusammenarbeit könnte die Lieferketten straffen und Handelsschranken abbauen.
SSP2 4.5
„Mittlerer Weg“
Beschreibung
Soziale, wirtschaftliche und technologische Trends verändern sich nicht merklich.
Nur geringe und langsame globale Zusammenarbeit und Koordination.
Die Umweltsysteme sind trotz einiger Verbesserungen einer Verschlechterung unterworfen.
Entwicklung und Einkommenswachstum verlaufen ungleichmässig, wobei einige Länder Fortschritte machen, während andere zurückbleiben. Die Ungleichheit zwischen und innerhalb von Ländern bleibt bestehen.
Sozioökonomische und ökologische Herausforderungen bleiben bestehen. Die Intensität der Ressourcen- und Energienutzung geht zurück, aber nicht gleichmässig.
Die Treibhausgasemissionen erreichen um die Jahrhundertmitte (2040–2050) ihren Höhepunkt und gehen bis 2100 um die Hälfte zurück, was zu einer globalen Erwärmung zwischen 2° C und 3° C führt.
Auswirkungen
Mässige Nachfrage
Steigende Nachfrage nach hochwertigen Elastomerkomponenten in verschiedenen Sektoren, mit moderater Betonung der Nachhaltigkeit.Ungleichmässiges Wachstum
Unterschiedliche Wachstumsraten in den verschiedenen Regionen, wobei die Industrieländer im Vergleich zu den Schwellenländern ein langsameres Wachstum verzeichnen.Regulatorische Variabilität
Ein uneinheitliches regulatorisches Umfeld kann operative Herausforderungen mit sich bringen und unterschiedliche Strategien zur Einhaltung von Vorschriften erfordern.Stabilität der Lieferkette
Relativ stabile, aber manchmal ineffiziente Lieferketten aufgrund ungleicher globaler Zusammenarbeit und mässiger Ressourceneffizienz.Wettbewerbslandschaft
Der Wettbewerb bleibt konstant, mit potenziellen Chancen in Regionen, die Fortschritte in der wirtschaftlichen Entwicklung machen.
SSP3 7.0/8.5
„Regionale Rivalität – ein steiniger Weg“
Beschreibung
Regionale und nationale Konflikte verstärken Wettbewerb und Sicherheitsbedenken.
Geringe Zusammenarbeit und Priorität für Klima und Umwelt.
Grosse Herausforderungen für die Anpassung an den Klimawandel und dessen Abschwächung.
Starke Umweltzerstörung aufgrund der Ausbeutung natürlicher Ressourcen und der intensiven Nutzung fossiler Energie.
Ungleichmässiges Wachstum des Durchschnittseinkommens, in einigen Regionen Stagnation oder Rückgang, grössere Ungleichheiten.
Hoher Verbrauch und hohe Energienutzung, insbesondere in Entwicklungsregionen.
Die Treibhausgasemissionen steigen bis zum Jahr 2100 weiter an, die globale Erwärmung übersteigt 3° C, möglicherweise erreicht oder übersteigt sie 4° C.
Auswirkungen
Hohe Betriebskosten
Erhöhte Kosten aufgrund des hohen Energieverbrauchs und des intensiven Wettbewerbs um natürliche Ressourcen.Marktinstabilität
Wirtschaftliche und politische Instabilität in Schlüsselregionen kann die Produktion und den Absatz stören.Regulatorische Herausforderungen
Vielfältige und möglicherweise strenge lokale Vorschriften erschweren die Einhaltung und erhöhen die betrieblichen Risiken.Unterbrechungen der Lieferkette
Häufige Unterbrechungen der globalen Lieferketten aufgrund von regionalen Konflikten und geringer internationaler Zusammenarbeit, was zu längeren Lieferzeiten und höheren Kosten führt.Ungleichheit und Konsum
Das hohe Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern kann die Nachfrage nach bestimmten Produkten erhöhen, aber die wirtschaftlichen Ungleichheiten könnten das Marktpotenzial in diesen Regionen begrenzen.
Szenarioanalyse
Die ausgewählten Szenarien wurden über kurz-, mittel- und langfristige Zeiträume hinweg bewertet. Im Rahmen der Szenarioanalyse wurden die Übergangsrisiken und -chancen in aussagekräftige Kategorien eingeteilt. Jede Kategorie wurde dann hinsichtlich ihrer potenziellen Auswirkungen und Wahrscheinlichkeit bewertet. Die Ergebnisse dieser spezifischen Bewertungen sind in der nachstehenden Grafik dargestellt, die die jeweilige Risiko- und Chancenstufe auf einer Skala von niedrig (1 Kreis) bis sehr hoch (4 Kreise) angibt.
Strategische Punkte
Die Szenarioanalyse hat mehrere strategische Punkte hervorgehoben.
Physische Risiken
Akute und chronische physische Risiken bergen kein direktes Chancenpotenzial, sind aber indirekt mit Übergangschancen verbunden, z.B. hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Effizienz der Wasserressourcen. Es wird erwartet, dass die physischen Risiken in allen Szenarien zunehmen werden. Im Szenario „Regionale Rivalität“ werden diese Risiken jedoch langfristig nahezu unbeherrschbar und gefährden grosse Teile der Wertschöpfungskette. Dieses Szenario erfordert erhebliche finanzielle Aufwendungen (z. B. für Versicherungen). Die anderen Szenarien zeigen überschaubarere physische Risiken und stellen eine geringere finanzielle Belastung dar, die im Szenario „Nachhaltigkeit“ mittelfristig einen geringeren Höhepunkt erreicht und sich im Szenario „Mittlerer Weg“ stabilisiert.
Übergangsrisiken und -chancen
In den vier aggregierten Übergangskategorien variieren die Risiken und Chancen je nach Szenario:
Szenario „Regionale Rivalität“
Die Risiken sind im Allgemeinen gering, aber das gilt auch für die Chancen – mit Ausnahme von „Technologie, Produkte und Dienstleistungen“ im Zusammenhang mit fossilen Brennstoffen, die sich mit wenigen Einschränkungen weiterentwickeln können. Im Bereich „Märkte und Geschäftstätigkeit“ sind die Risiken jedoch aufgrund der zu erwartenden Unterbrechungen der Lieferkette und der Marktabschottung im Laufe der Zeit am höchsten. Dätwyler könnte eine Strategie entwickeln, um kleinere Chancen zu nutzen, aber die übergreifenden Herausforderungen bleiben vorherrschend.Szenario „Mittlerer Weg“
Dieses Szenario weist mittlere bis hohe Risiken und Chancen auf, die sich oft gegenseitig ausgleichen. Dies spiegelt eine erhebliche Unsicherheit wider, da es keinen klaren Trend in Richtung Nachhaltigkeit oder regionale Rivalität gibt. In diesem Szenario ist für Dätwyler ein weniger definierter strategischer Ansatz erforderlich, da die erhebliche Unsicherheit reaktive Massnahmen zur Anpassung an veränderte Umstände erzwingt. Die Entscheidungsfindung konzentriert sich tendenziell auf relativ kurzfristige Aktionen.Szenario „Nachhaltigkeit“
Hier überwiegen die Chancen, denn die globale Zusammenarbeit und die Nachhaltigkeit bieten Dätwyler die Chance, sich als Marktführer zu differenzieren. In diesem nachhaltigen Umfeld dürfte sich der Umstellungsplan von Dätwyler, der einen hohen Anteil an erneuerbaren Energien, Dual-Sourcing-Lieferketten sowie neue Materialien und Technologien vorsieht, positiv auswirken.
2.6 Resilienz
Dätwyler hat einen umfassenden Ansatz entwickelt, um klimabezogene Risiken zu managen und Chancen zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit zu nutzen. Die Klimarisiken sind in das Kontinuitäts- und Risikomanagementverfahren von Dätwyler eingebettet, sodass die Anpassung an den Klimawandel und seine Abschwächung Teil der Geschäftsstrategie sind. Dazu gehören auch Notfallpläne für Naturgefahren. Darüber hinaus hat sich Dätwyler ehrgeizige Klimaziele gesetzt und sich zu wissenschaftsbasierten Zielsetzungen verpflichtet.
Seit 2023 haben wir unsere Bewertung klimabezogener Risiken und Chancen (CRROs) ausgeweitet und die Methoden verfeinert, um eine standortspezifische Bewertung vorzunehmen. Wir führen Klimaszenarioanalysen durch, um die CRROs für verschiedene Klimaprognosen zu bewerten und unsere zukünftige Widerstandsfähigkeit zu gewährleisten. Nach den Ergebnissen dieser Analysen sehen wir uns für verschiedene zukünftige Entwicklungen gerüstet, wobei wir die meisten Chancen im Nachhaltigkeitsszenario sehen.
Um Klimarisiken zu mindern und Wachstumschancen zu nutzen, diversifiziert Dätwyler ihre Lieferkette, setzt vermehrt erneuerbare Energien ein und investiert in nachhaltige Produkte. Eine starke globale Zusammenarbeit und die Anpassung an regulatorische Standards tragen dazu bei, die operative Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Durch die regelmässige Bewertung verschiedener Risiko- und Chancenkategorien passt Dätwyler ihre Geschäftsstrategie an, um Chancen zu maximieren und Risiken zu minimieren und so die anhaltende Widerstandsfähigkeit ihres Geschäftsmodells sicherzustellen.
3 Risikomanagement
3.1 Risikoidentifikationsprozess
Klimabezogene Risiken werden in den gesamten Prozess der Geschäftskontinuität und des Risikomanagements integriert. Risiken werden kontinuierlich neu bewertet und zwischen den verschiedenen Ebenen des Unternehmens kommuniziert. Es werden Szenarioanalysen durchgeführt, um Chancen zu erkunden und dem wachsenden Umfang der Risiken zu begegnen. Das Management der einzelnen Business Areas ist dafür verantwortlich, wesentliche Risiken zu identifizieren und die Konzernleitung und den Verwaltungsrat über mögliche Entwicklungen zu informieren.
3.2 Risikomanagement
Sobald die Risiken identifiziert und bewertet sind, entwickelt und implementiert das Management Massnahmen, um die Wahrscheinlichkeit des Auftretens zu verringern und mögliche Auswirkungen abzumildern. Diese Massnahmen werden im Rahmen des kontinuierlichen Risikomanagementprozesses regelmässig überwacht und überprüft. Dätwyler setzt eine Geschäftskontinuitätsplanung (Englisch: Business Continuity Planning, kurz BCP) ein, um klimabezogene Risiken zu bewerten und zu mindern, mit dem Ziel, Unterbrechungen kritischer Abläufe zu verhindern und eine schnelle Wiederherstellung sicherzustellen. Der BCP-Prozess umfasst wichtige ESG-Risiken wie den Klimawandel und berücksichtigt Ereignisse wie Naturkatastrophen und Brände. Das Risikomanagementsystem an den Dätwyler Produktionsstandorten basiert auf der Norm ISO 31000 und umfasst regelmässige Audits, um die Einhaltung und Bereitschaft sicherzustellen.
3.3 Risikointegration
Klimabezogene Risiken sind in das institutionalisierte Risikomanagementsystem von Dätwyler eingebettet. Die Nachhaltigkeitsrisiken, einschliesslich derjenigen, die mit dem Klimawandel und der Lieferkette zusammenhängen, werden auf der Basis ihrer Auswirkungen auf der Ebene der Gruppe, der Business Units und der Produktionsstandorte klassifiziert. Der CFO und der Leiter der Internen Revision überwachen den Risikomanagementprozess durch aktiven Austausch und Sitzungen mit den Business Areas. Die Risiken werden konsolidiert, überprüft und jährlich an den Verwaltungsrat berichtet, um eine einheitliche Bewertung innerhalb der Gruppe zu gewährleisten. Der Verwaltungsrat trägt die oberste Verantwortung für die Risikobewertung, wobei die Koordination vom Leiter der Internen Revision übernommen wird.
4 Kennzahlen und Ziele
Dätwyler bewertet die Fortschritte und legt im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung umfassende Kennzahlen und Ziele zu Nachhaltigkeit und Treibhausgasemissionen offen. Alle klimarelevanten Kennzahlen und Ziele sind im Kapitel „Umwelt“ des Nachhaltigkeitsberichts zu finden. Die Fortschritte in Bezug auf unseren Übergangsplan werden anhand mehrerer dieser Indikatoren gemessen.
Der entsprechende Klimaplan ist im Kapitel „Klimaneutraler Betrieb 2030“ zu finden. Der Anteil der erneuerbaren Energien ist eine der Kernkennzahlen von Dätwyler und die gesetzten Ziele sind auf gutem Weg, erreicht zu werden, z. B. durch die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Elektrizität von 38% im Jahr 2023 auf 64% im Jahr 2024.
Dätwyler tauscht sich regelmässig mit Aktionären und Investoren aus und bezieht deren Feedback in die ESG-Strategie und den Klimaschutzplan ein. Durch die Ausrichtung der Geschäftstätigkeit an Nachhaltigkeitszielen und die Fokussierung auf die Reduktion von Treibhausgasen will Dätwyler ihre Marktposition stärken und ihren ökologischen Fussabdruck deutlich verringern.